Frauen und Farben dieser Welt

"Frauen und Farben dieser Welt"
Informationen über Frauen der verschiedenen Ethnien
Serie "Frauen  dieser Welt"
Frauen aus ethnischen Minderheiten haben mich schon immer fasziniert. Einige von ihnen habe ich hier in ihrer traditionellen Bekleidung und dem auffälligen, für uns zum Teil befremdlichen Körperschmuck porträtiert. Mein Anliegen war, die Stimmung des Augenblicks festzuhalten, die Befindlichkeiten der Frauen bis hin zu ihrem Leiden zu vermitteln, den Betrachter zu berühren und zugleich zu provozieren.

Serie " Farben dieser Welt"
Im Gegensatz dazu ist die abstrakte Reihe weniger bestimmten Orten oder Personen zuzuordnen. Vielmehr widme ich die Bildgestaltung autonomen Grundelementen. Die Bilder sind Ausdruck von Subjektivität und Intuition im Freiraum der Leinwand.
Der Betrachter soll von den farbintensiven Bildern angeregt, in seinem Denken, Fühlen und Spüren vitalisiert werden. Der zum Teil "haptische" Malstil mit Spachtel lädt dazu ein, den Motiven der Bilder nicht nur mit dem Auge, sondern auch mit der Hand zu folgen.

 
…über die Künstlerin
Betrachtung von Prof. Dr. Werner Schiedermair

 
Das künstlerische Schaffen Aylin Özdogans ist weit gespannt. Es reicht von akribisch gegenständlichem Realismus bis zur abstrakten Malerei. Porträts finden sich ebenso wie expressiv-informelle Kompositionen. Alle Werke sind technisch wie farblich souverän durchgestaltet. Stets spielt das Licht eine wesentliche Rolle. In sämtlichen Arbeiten tritt die Persönlichkeit der Künstlerin unverkennbar hervor.
Aylin Özdogan verkörpert die Gegenwart nach Herkunft und Lebensweg in charakteristischer Weise. Geboren am 28. Oktober 1964 in der Türkei, lebt sie seit 1968 in Deutschland. Hier besuchte sie die Schule, hier war sie auf vielfältige Weise beruflich tätig. Ihre künstlerische Ausbildung erwarb sie an der BFS Zeichenakademie für Bildende Kunst in München. Sie hat eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin am Kunsttherapie-Institut absolviert.
Ihre Interessen gelten vor allem Menschen, der Psychologie, der Poesie und der Musik. Ihre Multikulturalität regte sie zu Reisen in die verschiedensten Kulturgebiete der Welt an.

Einen besonderen Schwerpunkt ihrer Malerei bildet die figürliche Darstellung von Menschen, dabei insbesondere von Frauen der verschiedensten Ethnien. Immer präsentiert sie sie in ihrer traditionell gewachsenen kulturellen Umgebung. Trachten und Zierate faszinieren sie. Minutiös zeichnet sie körperliche Verformungen nach, denen die Frauen oftmals ausgesetzt sind, so etwa die durch Ringe optisch verlängerten Hälse der Padaung, besondere Haartrachten oder das das Aussehen verfremdende Schminken, das manchmal aus Gesichtern Masken werden lassen kann. Doch vermeidet sie Wertungen oder gar Anklagen. Ihr geht es, wie die Art der Darstellung immer wieder verrät, vor allem um die Präsentation im traditionell vorgegebenen kulturellen Umfeld. Ihr geht es darum, den Betrachter über alle Information hinaus zum Dialog, zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung mit den nicht hinterfragten, festgehaltenen Traditionen anzuregen. Damit greift sie die auch in der bildenden Kunst hochaktuelle Genderproblematik auf.
Bei der Annäherung an dieses Thema kommt Aylin Özdogan ein handwerklich-technisch ausgefeiltes Malkönnen zugute. Ihre Arbeiten sind nicht nur kompositionell wohldurchdacht und durchkonstruiert, sie legt ebenso viel Wert auf eine reich nuancierte Durchführung der Malerei. Ihr liegen feinste Farbabstufungen. Mit dem Einsatz all dieser Mittel gelingt es ihr, die Wirklichkeit, wie sie sie wahrnimmt, dem Betrachter tatsächlich vor Augen zu führen. Sie macht klar, dass Tradition nicht zugleich zwangsläufig Ruhe und Geborgenheit bedeutet, sondern auch Melancholie und sogar Albträume umfassen kann. Die Frauenbildnisse von Özdogan sind nicht bloße erzählerische Wiedergaben, sie sind ungeachtet aller Sachlichkeit der Darstellungsweise, Auseinandersetzung mit dem Wahrgenommenen.

Nicht minder aussagekräftig sind die abstrakten Malereien der Künstlerin. Sie gehen nicht von vorgegebenen Formen oder Farben aus, vielmehr stehen bei Ihnen, wie Aylin Özdogan selbst formuliert, Subjektivität und Spontanität im Vordergrund. Kreisende Wogen, bewegtes Meer und ständig sich wandelnde Wolkenformation scheinen Anregungen gegeben zu haben. Immer kommen, wie bei den Porträts der Frauen, Reiseerfahrungen zur Geltung. Wiederum fällt die reiche, differenzierte Farbgebung auf. Die Künstlerin liebt bunte Farben, sie schöpft die Farbpalette bis zu den sensibelsten Abstufungen aus. Dazu tritt der bewusste Einsatz von Licht. Leuchtende, aufgesetzte Lichter unterstreichen die Dynamik der Formen und den Reichtum der Farben. Offensichtlich geht es der Malerin auch darum, Licht zu zeigen. Sie setzt sich mit der Herausforderung auseinander, verklärendes, Leben spendendes und Hoffnung verbreitendes Licht sichtbar zu machen. Auch bizarre Gestaltungen treten hervor. Auf diese Weise fordert sie den Betrachter zu einem Dialog mit ihren Werken heraus.

Betrachtet man Aylin Özdogans Schaffen im Ganzen, wird die Zielrichtung, die sie verfolgt, erahnbar. Vom Menschen und seiner irdischen Gebundenheit ausgehend ringt sie um Farbe und Gestalt. Mit den Farben und dem Licht schafft sie eine positive, zukunftsgerichtete und von Optimismus erfüllte Gesprächsatmosphäre zwischen dem Betrachter und ihren Schöpfungen. Ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Kulturen fließen in ihr künstlerisches Empfinden ein.
Die lebensbejahende Grundeinstellung, die vor allem in den abstrakten Bildern mit ihren Bewegungen und Begegnung herausfordernden Effekten zum Ausdruck kommt, lassen die Künstlerin und ihr Schaffen, ohne jegliche Aufdringlichkeit, besonders sympathisch erscheinen.

Alle Besucher ihrer Ausstellungen haben ihr für die Zuversicht, die dadurch vermittelt wird, zu danken.

Prof. Dr. Werner Schiedermair


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